Kombinationsprodukte

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    Kombinationsprodukte werden immer häufiger in der Therapie verschiedenster Erkrankungen eingesetzt. Besonders im Bereich kardiovaskuläre Erkrankungen stehen mehrere Fertigarzneimittel zur Verfügung. Als Beispiele können hier genannt werden Exforge®, Sevikar® oder Inegy®


    Terminologie der Kombinationsprodukte

    Unterschieden werden 4 verschiedene Arten [1]:

    1. Freie Kombination
      mehrere Arzneistoffe werden in jeweils eigener Arzneiform gleichzeitig eingenommen, stammen aber aus unterschiedlichen Primärverpackungen
    2. Freie Kombination in Primärverpackung
      mehrere Arzneistoffe werden in jeweils eigener Arzneiform gleichzeitig eingenommen, aus der gleichen Primärverpackung
    3. Kombinationsprodukt
      eine Arzneiform mit zwei Arzneistoffen in verschiedenen Schichten oder durch active-coating
    4. Polypill
      Arzneiform mit drei oder mehr Arzneistoffen in verschiedenen Schichten oder durch active-coating

    Herstellung

    Grundsätzlich gilt in der galenischen Entwicklung, je mehr Arznei- und Hilfsstoffe eine Arzneiform enthält, desto mehr Wechselwirkungen zwischen den Inhaltsstoffen können auftreten. Zu nennen sind Parameter wie chemische und physikalische Stabiliät beziehungsweise Kompatibilität oder auch die Bioverfügbarkeit. Zu einer ersten Abschätzung kann das Biopharmazeutische Klassifizierungssystem (BCS) herangezogen werden. Prozessparameter wie Fließeigenschaften, Tablettierbarkeit oder auch Partikelgrößen müssen ausserdem bei der Beurteilung beachtet werden.

    Sind Wechselwirkungen abzusehen fokussiert sich die Entwicklung auf Mehrschichttabletten oder multipartikuläre Arzneiformen. Man unterscheiden Monolithische Systeme, Mehrschichttabletten und multipartikuläre Arzneiformen. [1]


    Mehrschichttabletten

    In Mehrschichttabletten liegen Arzneistoffe in verschiedenen Schichten voneinander getrennt vor. Wechselwirkungen zwischen den Schichten sind minimiert und können durch Trennschichten komplett ausgeschlossen werden. Mehrschichttabletten können in speziell modifizierten Tablettenpressen in großer Stückzahl günstig hergestellt werden.


    Multipartikuläre Arzneiformen

    In multipartikulären Arzneiformen werde meist Pellets alleine oder mit weiteren Hilfsstoffen zu Tabletten verpresst. Es entstehen sogenannte MUPS-Formulierungen (Multi-Unit-Pellet-System). Das bekannteste Beispiel ist Antra-MUPS®. Besondere Vorteile ergeben sich aus den aktiven Überzügen der Pellets (Coating). So kann der Film eine zeitverzögernde Wirkstofffreisetzungfreisetzung bewirken oder einen magensaftlabilen Arzneistoff schützen. Antra-MUPS® ermöglicht zum Beispiel die Gabe von Omeprazol durch eine Magensonde oder an Patienten mit Schluckstörungen ohne dass die Arzneiform in ihrer Funktionalität zum Beispiel durch mörsern beeinträchtigt wird.

    Hergestellt werden Pellets in Wirbelschicht-Prozessen (Wirbelschichtgranulation, Wirbelschicht-Coating)


    Monolithische Systeme

    In Monolithische Systemen sind alle Arzneistoffe in einer Tablette ohne Trennung verpresst. Dies ist möglich wenn die verarbeiteten Arzneistoffe optimal zueinander passen bezüglich der oben genannten Faktoren.


    Active Coating

    Active-Coating bezeichnet die Aufbringung eines Arzneistoff-haltigen Überzug auf eine Arzneiform.

    Besondere Schwierigkeiten birgt der Prozess an sich. Aktive Endunktbestimmung und ein gleichmäßiger Auftrag auf die gesamte Charge stellen eine große Herausforderung während des Herstellungprozesses dar.


    Literatur & Quellen

    1. Markus Wirges (2012) „Wirkstoffüberzug von OROS-Tabletten – In-line Prozessüberwachung mittels Raman Spektroskopie und ihr Transfer vom Labor- zum Produktionsmaßstab.“ Inaugural-Dissertation zur Erlangung des Doktorgrades der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
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