Strategien zur spezifischen Wirkstoffffreisetzung

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    Strategien zur spezifischen Wirkstoffffreisetzung

    Verschiedene Faktoren in der Freisetzung von Arzneistoffen aus oralen Arzneiformen können durch Hilfsstoffe verändert werden. Die Freisetzung kann wie folgt ausgelöst werden:

    1. Veränderungen des pH-Werts

    Eine pH-abhängige Wirkstofffreisetzung wird sehr häufig bei Arzneistoffen verwendet. Gründe hierfür sind pH-labile Arzneistoffe oder eine gewünschte Freisetzung in einem bestimmten Bereich des Gastrointestinaltrakts (GI-Trakt). Durch die Verwendung bestimmter Tablettenüberzüge können sehr spezifische pH-Bereiche angesteuert werden. Hierfür werden unter anderem sogenannte magensaftresistente Polymere verwendet (siehe auch „Filmtabletten“).
    Das Prinzip eines pH-abhängigen Tablettenüberzugs beruht auf einer Veränderung der Polarität in Abhängigkeit zum umliegenden pH. Im sauren Milieu liegen funktionelle Gruppen (z.B. Carboxylgruppen) protoniert, also apolar vor. In der basischen Umgebung des Darms erfolgt eine Deprotonierung, das Polymer wird polar / hydrophil und die Wasserlöslichkeit erhöht sich.

    2. Durch Enzyme der Darmbakterien

    Gelangt eine Arzneiform in den Dickdarm, ist sie dort einer deutlich erhöhten Anzahl von Darmbakterien ausgesetzt. Folglich auch einer höheren Konzentration von durch Bakterien erzeugten Enzymen. Theoretisch könnten Tablettenüberzüge entwickelt werden. welche durch enzymatische Spaltung aufgelöst bzw. zersetzt würden. Ein Prinzip analog dem einiger Azneistoffe, welche mittels Enzymatischer Umwandlung aktiviert werden (siehe Sulfasalazin). Wissenschaftlich wurde bisher einige Ansätze in dieser Richtung untersucht, jedoch schaffte es bisher keiner bis zur Marktreife. Am weitesten untersucht wurde das sogenannte COLAL-PRED® System. Entwickelt durch Alizyme zeigten Phase II-Studien vielversprechende Ergebnisse, was zu einer Zusammenarbeit mit Norgine und zur Durchführung einer Phase III Studie führte. Dort konnte kein Vorteil zur konventiellen Therapie gezeigt werden [2]

    3. Druck

    4. Elektronisch kontrolliert

    5. Zeit

    Ein Beispiel für eine Zeitabhängige Wirkstofffreisetzung ist das Pulsincap – System [3].


    Literatur & Quellen

    1. Drechsler, M. 2013 „Entwicklung und Testung von Filmtabletten für die dickdarmspezifische Wirkstofffreisetzung“INAUGURALDISSERTATION zur Erlangung der Doktorwürde der Fakultät für Chemie und Pharmazie der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau LINK
    2. Alizyme hoping to come through Colal-Pred setback LINK
    3. Dasharath M Patel, Rushiraj H Jani, and Chhagan N Patel; Design and evaluation of colon targeted modified pulsincap delivery of 5-fluorouracil according to circadian rhythm;
      Int J Pharm Investig. 2011 Jul-Sep; 1(3): 172–181. doi:  10.4103/2230-973X.85969

      LINK

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